Interdisziplinäre Tagung "Gottesdienst in Regensburger Institutionen. Zur Vielfalt liturgischer Traditionen in der Vormoderne", 6.-8. Juli 2017

Organisation: Prof. Dr. Harald Buchinger (Lehrstuhl für Liturgiewissenschaft)

in Zusammenarbeit mit dem Institutum Liturgicum Ratisbonense, dem Akademischen Forum Albertus Magnus des Bistums Regensburg, dem Forum Mittelalter der Universität Regensburg und dem Themenverbund "Urbane Zentren"

In der Vormoderne war Regensburg als weit überregional bedeutendes politisches Zentrum und international vernetzte Handelsstadt auch kirchlich durch eine Vielzahl unterschiedlicher Institutionen geprägt: Neben dem von Bonifatius gegründeten Bistum, das manche seiner liturgischen Traditionen bis lange nach dem Konzil von Trient hochhielt, gingen auch die selbstbewußte Benediktinerabtei St. Emmeram und das Kollegiatsstift der Alten Kapelle genauso wie die Kanonissenstifte Niedermünster und Obermünster auf das Frühmittelalter zurück; insbesondere St. Emmeram betrieb neben seiner reichen Bibliothek ein auch künstlerisch herausragendes Skriptorium. Im Hochmittelalter ergänzten das Benediktinerinnenkloster Mittelmünster auf weiblicher und das Kollegiatsstift von St. Johann auf männlicher Seite die kirchliche Landschaft, wenn auch nicht die erhaltene liturgische Handschriftenüberlieferung. Das Schottenkloster St. Jakob strahlte im Rahmen der zweiten iroschottischen Bewegung durch Neugründungen aus, die Abtei Prüfening vor den Toren der Stadt gehörte zur Hirsauer Reform; das Doppelkloster Prüll wurde später zur Kartause. Mit dem Spätmittelalter erweiterten Klöster männlicher und weiblicher Bettelorden die kirchliche Vielfalt, die in der Neuzeit zusätzliche Komplexität gewann, als sich die Stadt mehrheitlich der lutherischen Reformation anschloß, was zur Übernahme neuer Bräuche, aber auch zu bemerkenswerten Kompromissen führte. Als Tradentinnen und Produzentinnen von Handschriften, aber auch als Bauherrinnen liturgischer Räume und Auftraggeberinnen von Kunstwerken, nicht zuletzt in ihrem Zusammenspiel im städtischen Raum und in ihrer Prägung durch überregionale Einflüsse sind Regensburger Institutionen ein Prisma, durch das die bunte Vielfalt vormoderner Liturgie und ihrer kulturellen Ausdrucksformen sichtbar wird.
Angesichts großer Unterschiede in Quellenbestand und Forschungslage lohnt sich ein neuer Blick auf die wichtigsten kirchlichen Institutionen, historischen Phasen und überregionalen Bezugssysteme der Liturgiegeschichte Regensburgs in der Vormoderne. Beiträge aus Liturgiewissenschaft, Musikwissenschaft, Kunstgeschichte und verwandten Disziplinen sollen exemplarisch die verschiedenen Dimensionen liturgischen Lebens und ihre künstlerischen, musikalischen und architektonischen Ausdrucksformen erhellen, die bisherige Forschung kritisch sichten, auf bestehende Lücken hinweisen und neue Perspektiven künftiger Erschließung eröffnen.
Äußerer Anlaß für die Tagung ist die Wiederbelebung des Institutum Liturgicum Ratisbonense des Bistums Regensburg, welches sich seit der Mitte des 20. Jahrhunderts der Liturgiegeschichte im Spiegel ihrer handschriftlichen Quellen sowie der Erforschung lokaler Eigentraditionen widmet.

Information und Anmeldung:

Gabriele Kaiser, Tel. 0941 943-3234
gabriele.kaiser@theologie.uni-regensburg.de

 

Fakultät für Katholische Theologie, Lehrstuhl für Liturgiewissenschaft, Universität Regensburg, D-93040 Regensburg