Themenverbund "Urbane Zentren und europäische Kultur in der Vormoderne"

Angesichts der Relevanz heutiger Großstädte für Produktivität und Globalisierung, liegt aus historischer und europäischer Sicht die Feststellung nahe, dass bereits in früheren Epochen die großen Städte der Gesellschaft kulturelle Impulse und funktionales Potenzial zur Verfügung stellten und damit – trotz eines allgemein deutlich geringeren Urbanisierungsgrades – zu symbolischen ‚Landmarken‘ ihrer Epochen werden konnten: die griechische Polis, Rom, die mittelalterliche Kommune, die frühneuzeitliche Residenzstadt. Für den Architekturhistoriker Leonardo Benevolo sind gerade die europäischen Städte „eine – vielleicht die hauptsächliche – Ursache dafür, daß Europa sich als eine historische Einheit zu erkennen gibt“. Gerade das kulturelle und kreative ‚Kapital‘ großer Städte spielt im Konzept der „Eigenlogik“ eine wichtige Rolle und wird als konstitutives Merkmal moderner ‚Metropolität‘ gewertet und gefördert. Die kulturelle Dimension des Urbanen weist dabei sowohl epochenspezifische distinktive Qualitäten (besonders zwischen Antike und Mittelalter) als auch unübersehbare Kontinuitäten und strukturelle Gemeinsamkeiten zwischen verschiedenen Epochen und Kulturen auf. Die longue durée der europäischen Metropole seit der Antike, die Untersuchung des Wandels ihrer funktionalen und symbolischen Qualitäten und damit die Historisierung des für die Moderne essentiellen Prozesses der Urbanisierung, stellt bislang ein nicht gelöstes Problem der kulturwissenschaftlich orientierten Forschung dar.

Diesem Forschungsdesiderat möchte sich der Themenverbund "Urbane Zentren und europäische Kultur in der Vormoderne" stellen. Der größere Teil der mitwirkenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gehört dem Forum Mittelalter der Universität Regensburg an, das sich in seinen Tagungen bereits seit 2003 der mittelalterlichen Stadtforschung in europäischer Perspektive widmet. Der Verbund richtet sich konzeptionell aber auch gezielt auf die Erweiterung der mediävistischen Perspektive, indem Kontinuitäten und Zäsuren vom antiken Städtewesen bis zur vorindustriellen Metropole in den Mittelpunkt gerückt werden. Mit einer solchen Initiative kann in Regensburg, aufbauend auf den erprobten und international angesehenen Strukturen des Forums Mittelalter, ein deutschlandweit einmaliges Kompetenzzentrum zur europäischen Stadt der Vormoderne entstehen.

Im Medium gemeinsamer Fachtagungen, Doktorandenkolloquien und Ringvorlesungen sollen zunächst die gemeinsam zu entwickelnden Forschungsperspektiven für dieses ‚Langzeitprojekt’ erprobt und zur Diskussion gestellt werden, um im zweiten Schritt tragfähige Konzepte für drittmittelgeförderte Verbundinitiativen zu erarbeiten, die die vorhandenen Strukturen zugleich erweitern und integrieren. Durch inländische und internationale Kooperationspartner ist zudem die Anschlussfähigkeit des Projektes an laufende Forschungen im europäischen Rahmen gesichert.

Mitwirkende