Politisches Denken und literarische Form. Italien zwischen Spätmittelalter und Renaissance
Internationale Fachtagung an der Universität Regensburg (14.-16.01.2010)
veranstaltet von Dr. Oliver Hidalgo (Institut für Politikwissenschaft) und Dr. Kai Nonnenmacher (Institut für Romanistik)
gefördert von der Fritz Thyssen Stiftung, der Regensburger Universitätsstiftung Hans Vielberth und dem Forum Mittelalter
14.01. Dollingersaal im Alten Rathaus; 15./16.01. Sitzungssaal der Phil. Fak., Universität Regensburg
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Zur Wegbeschreibung
Die internationale Tagung strebt eine interdisziplinäre Kooperation zwischen Politischer Philosophie und Ideengeschichte, Romanischer Philologie sowie Geschichte an. Die Referate sollen mit Hilfe von unterschiedlichen Perspektiven, Rekursen und Autoren sowie der Berücksichtigung einer breiten Palette von Textgattungen den konstitutiven Zusammenhang politischer Ideen mit ihrer sprachlichen Verfasstheit herausarbeiten. Der gewählte Formbegriff nimmt in den Blick, inwieweit spezifische Vertextungsverfahren politische Ideen generieren bzw. ob ein Zusammenhang zwischen politischer Theoriebildung (Konzepte wie Macht, Herrschaft, Gerechtigkeit, Frieden, Republik), historischer Rationalität (in logisch-argumentativen Operationen) und poetischen Strukturen (Rhetorizität, Metaphorik, Stilmarkierungen) besteht. Zu fragen wäre hier beispielsweise nach dem inhaltlich-normativen Gehalt von Symbolen, Sprachbildern und literarischen Figurationen, konkreten rhetorischen und begriffshistorischen Argumentationsstrategien, der semantischen Verfasstheit sozialer Strukturen und Ordnungsmodellen sowie schließlich nach einer möglichen Parallelisierung von Ideen- und Formgeschichte.
Die Beiträge werden bis Mitte/Ende 2010 in einem Tagungsband publiziert.
In der Korpusbildung knüpft die Tagung an eine Kardinalthese der einflussreichen Cambridge School of Intellectual History an, wonach die ideengeschichtlichen Wurzeln der politischen Moderne im Italien des Umbruchs zur frühen Neuzeit zu finden seien: Diskutiert werden Autoren wie Dante Alighieri, Marsilius von Padua, Francesco Petrarca, Lorenzo de’ Medici, Marsilio Ficino, Pico della Mirandola, Niccolò Machiavelli und Francesco Guicciardini. Explizit wird hier nicht die disziplinäre Trennung propositionaler und fiktionaler Texte vorgenommen. Infolge der heuristischen Verlagerung des Blicks und der komplementären Fächerperspektiven stehen für die Epochenschwelle zwischen Spätmittelalter und der Renaissance Revisionen etablierter Lesarten politischer Ideengeschichte zu erwarten, die hierbei die Kohärenz der ‚großen Erzählung‘ zwischen sakraler Herrschaftsautorität und demokratischer Volkssouveränität überprüfen.
Im Einzelnen werden die Vorträge voraussichtlich in vier Panels aufgeteilt:
– die historische Darstellung, hermeneutische Rekonstruktion und sprachliche Analyse der Transformation politischen Denkens in Italien zwischen Spätmittelalter und Renaissance;
– die Untersuchung poetischer Vertextungsverfahren, sprachlicher Strukturen und literarischer Formen politischer Ideen bei einschlägigen Autoren;
– Metaphorik und Narrativik, Medialität und Ikonographie von sozialen und politischen Strukturen im Wandel zur frühen Neuzeit;
– theoretische und methodische Überlegungen zum Zusammenhang von Politischem Denken, Rhetorik und Narrativik sowie zum fruchtbaren Dialog zwischen den Disziplinen.

