Internationale Jahrestagung "Italien als Vorbild? Ökonomische und kulturelle Verflechtungen europäischer Metropolen am Vorabend der 'ersten Globalisierung' (1300-1600)", Regensburg, 15.-17.11.2018

veranstaltet vom Forum Mittelalter der Universität Regensburg
in Verbindung mit dem DFG-Graduiertenkolleg 2337 "Metropolität in der Vormoderne"

gefördert von der Regensburger Universitätsstiftung Hans Vielberth

Zum Programm

Metropolen sind Landmarken der Globalisierung. In ihnen bündeln sich enorme Wissens- und ökonomische Ressourcen, die eigendynamisch Prozesse der Innovation und Expansion in Gang setzen. Bereits die europäischen Metropolen des ausgehenden Mittelalters generierten die entscheidenden Voraussetzungen und Impulse für die ‚erste Globalisierung‘, die im 16. Jahrhundert von Europa ausging. Globalisierung wird hier verstanden als „Aufbau, die Verdichtung und die zunehmende Bedeutung weltweiter Vernetzung“ (Osterhammel/Petersson, Geschichte der Globalisierung, 2003). Die europäische Expansion erfasste in diesem Jahrhundert erstmals alle Kontinente der damals bekannten Welt: Asien, Afrika, Nord- und Südamerika gerieten gezielt in den Fokus europäischer Staaten und Unternehmen. Die wirtschaftlichen und politischen Voraussetzungen wie auch das technologische und organisatorische Know-how für diese ,erste’ oder ‚Protoglobalisierung‘ waren im Spätmittelalter durch den Aufschwung westlicher Monarchien, durch neue Errungenschaften im Fernhandel und in der Seefahrt sowie durch international tätige Unternehmen, Bankhäuser und Börsen geschaffen worden. Als Laboratorien der ‚ersten Globalisierung‘ standen mithin jene Hauptstädte und Handelszentren im Mittelpunkt, in denen die wirtschaftlichen und politischen Eliten – Königshäuser oder kaufmännische Oligarchien – ihre Mittel gemeinsam auf das Ziel der Expansion und Innovation ausrichteten. Das erfolgreiche Vorbild der großen italienischen Seerepubliken Venedig, Genua und Pisa, die schon im 13. Jahrhundert in Südosteuropa, in der Levante und an der nordafrikanischen Küste protokoloniale Strukturen errichtet hatten, animierte im 15. und 16. Jahrhundert immer mehr Akteure zur Ausweitung der Seerouten und zum Aufbau globaler Handelsbeziehungen.

Der Blick auf die Landmarken der beginnenden Globalisierung weist gleichzeitig auf Veränderungen im metropolitanen Gefüge Europas hin. Neben die alten urbanen Zentren der mediterranen und römischen Welt traten um 1500 neue Städte, die sowohl im demographischen Wettstreit als auch im ökonomischen und politischen Koordinatensystem dynamisch aufholten. Unter den größten europäischen Städten finden sich im 16. Jahrhundert neben Mailand, Venedig, Florenz und Neapel erstmals auch Städte wie Lissabon und London, Gent, Antwerpen und Amsterdam. Über ihre Banken steuerten Florentiner und Toskanische Unternehmer einen erheblichen Teil der internationalen Geschäftsbeziehungen. Über ihre Verflechtung mit den großen Umschlagplätzen profitieren darüber hinaus auch inländische Produktionszentren von der ökonomischen Expansion. Ein bekanntes Beispiel ist der Fondaco dei Tedeschi in Venedig mit seinen engen Beziehungen zu vorrangig süddeutschen und flämischen Kaufleuten. Der Aufstieg Nürnbergs und Augsburgs zu überregional bedeutsamen Handelszentren kann nur in dieser Verflechtungsperspektive plausibel erklärt werden.

Die Jahrestagung des Forums Mittelalter wird in interdisziplinärer und internationaler Perspektive nach der Bedeutung der neuen und alten europäischen Metropolen zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert fragen, nach ihrer urbanistischen Gestalt, ökonomischen und politischen Machtkonzentrationen, kulturellen und sozialen Implikationen, technologischen Innovationen. Welche Spuren hinterließen die neuen außereuropäischen Verflechtungen in den Metropolen? Wie verliefen Konkurrenzen und Kommunikation zwischen den führenden Haupt- und Handelsstädten innerhalb Europas? Welche Rolle spielten neue Medien im Wissenstransfer und in der Repräsentation metropolitaner Ansprüche? Die Tagung führt damit verschiedene Forschungsrichtungen der Global- und Kolonialgeschichte, der Metropolitan Studies, der Mediävistik und der Frühneuzeitlichen Städtegeschichte an einer für die europäische Geschichte entscheidenden Zäsur zusammen.

Organisation:
Prof. Dr. Jörg Oberste
Professur für Mittelalterliche Geschichte und historische Hilfswissenschaften
Universität Regensburg
D-93040 Regensburg

Kontakt:
Dr. Susanne Ehrich, Koordination "Forum Mittelalter"

susanne.ehrich@ur.de
Dr. Sabine Reichert, Koordination GRK "Metropolität in der Vormoderne"
sabine.reichert@ur.de


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