Ringvorlesung "Heilige - Prediger - Inquisitoren. Dominikaner und Franziskaner in der mittelalterlichen Gesellschaft" (Mi, 14-16 Uhr, H 2)

2016 feiert der Dominikanerorden weltweit sein 800. Ordensjubiläum, das auch die Stadt Regensburg im Rahmen ihres Jahresthemas „Stadtgestaltung“ in den Blickpunkt rücken will. Eine vom Diözesanmuseum Regensburg und der Dominikanerprovinz Teutonia veranstaltete Ausstellung mit dem Titel „Mehr als Schwarz & Weiß. 800 Jahre Dominikanerorden“ wird unter anderem das Wirken der Dominikaner in Regensburg von 1300 bis heute beleuchten (10.5.-15.8.2016, ehem. Dominikanerkloster St. Blasius). Nicht nur die Dominikaner, auch die in einem Zuge mit den Predigerbrüdern genannten Franziskaner haben die mittelalterliche Gesellschaft, vor allem die aufstrebenden Städte des 13. Jahrhunderts, ganz entscheidend geprägt. Dabei wirkten die neuen Orden und das städtische Umfeld wechselseitig aufeinander ein. Auf die zunehmend ökonomisierten Lebenszusammenhänge antworteten beide Bettelorden mit neuen Formen der Seelsorge, sprachen das städtische Publikum durch ihre Predigten direkt an und schrieben sich topographisch mit ihren mächtigen Kirchenbauten tief in das Stadtbild ein. Aus dem Ideal eines am Evangelium ausgerichteten Lebens, wie es Franziskus von Assisi verkörperte, entwickelten sich neue Heiligkeitstypen, die vor allem die Laienfrömmigkeit veränderten und intensivierten. Andererseits war für die religiöse Identität der Mendikanten aber auch eine deutliche Abgrenzung gegenüber Häretikern und Andersgläubigen kennzeichnend. So sahen die als „Hunde des Herrn“ bezeichneten Dominikaner ihren Ordenszweck dezidiert in der Ketzerbekämpfung und arbeiteten besonders zahlreich im Dienst der päpstlichen Inquisition.

Die Ringvorlesung des Forums Mittelalter möchte das Jubiläumsjahr des Dominikanerordens mit 12 interdisziplinären Vorträgen zu den mittelalterlichen Bettelorden flankieren. Dabei werden Vertreterinnen und Vertreter der mediävistischen Fächer der Universität Regensburg und internationale Gastreferenten ein facettenreiches Bild der Entstehungsbedingungen, der rasanten Ausbreitung und des religiösen, literarischen und kulturellen Wirkens der Dominikaner und Franziskaner in der mittelalterlichen Welt entwerfen. Neben historischen Kernthemen wie der Reform der Seelsorge und der dominikanischen Inquisition werden auch theologische Fragestellungen (Heiligkeitskonzepte und Bettelordensliturgien), kunsthistorische und musikwissenschaftliche Aspekte (Bettelordensarchitektur und Musik im Dominikanerorden), literaturwissenschaftliche Quellen (Ordensgründerlegenden und Visionsliteratur der  Mendikanten) und philosophiegeschichtliche Zusammenhänge (Dominikaner und Franziskaner als magistri) thematisiert.

Die Ringvorlesung ist curricularer Bestandteil des Masterstudiengangs „Kulturgeschichtliche Mittelalter-Studien“ (MAL-M 37.2) und kann in allen Studiengängen des Instituts für Geschichte angerechnet werden; die Anrechnung in anderen Studiengängen erfolgt nach Absprache. Gasthörer sind herzlich willkommen.

20. April 2016, Prof. Dr. Klaus Unterburger (Historische Theologie)
Dominikus und Franziskus. Ideale, Konflikte, Wirkung zweier unterschiedlicher „Ordensgründer“

27. April 2016, Prof. Dr. Jörg Oberste (Mittelalterliche Geschichte)
Werkstatt für Dominikus und Franziskus? Die Reform der Seelsorge an der Universität Paris im 12. Jahrhundert

4. Mai 2016, Prof. Dr. Edith Feistner (Ältere deutsche Literatur)
Laienfrömmigkeitsbewegung und Ordensgründerlegenden in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts: das Beispiel der Vita prima Sancti Francisci des Thomas von Celano und ihrer volkssprachlichen Bearbeitung durch Lamprecht von Regensburg

11. Mai 2016, Dr. Susanne Ehrich (Ältere deutsche Literatur)
Bauen am Himmlischen Jerusalem. Dominikaner und Franziskaner in mittelalterlichen Endzeitentwürfen

18. Mai 2016, PD Dr. Kai Nonnenmacher (Romanische Literatur)
Dante Alighieri, Paradiso XI

25. Mai 2016, Prof. Dr. Harald Buchinger (Liturgiewissenschaft)
Vorhut moderner Einheitsliturgie und Reservat mittelalterlicher Vielfalt: Bettelordensliturgien im Vergleich

1. Juni 2016, Prof. Dr. Wolfgang Schöller (Kunstgeschichte)
Bettelordensarchitektur im Kontext

8. Juni 2016, Prof. Dr. Rolf Schönberger (Geschichte der Philosophie)
Die Bewegtheit der Seele. Der Versuch einer Versöhnung Platons mit Aristoteles bei Albertus Magnus

15. Juni 2016, Prof. Dr. Jörg Oberste (Mittelalterliche Geschichte)
Ketzer und Konsorten. Mittelalterliche Personengruppen im Visier der Inquisition

22. Juni 2016, Prof. Dr. Christian Leitmeir (Musikwissenschaft/University of Oxford/UK)
Verbotene Früchte? Die „Mehrstimmigkeitsfeindlichkeit“ der mittelalterlichen Dominikaner

29. Juni 2016, P. Elias H. Füllenbach OP (Institut zur Erforschung der Geschichte des Dominikanerordens im deutschen Sprachraum, Köln)
Mehr als Schwarz & Weiß. Die deutschen Dominikaner am Vorabend der Reformation

6. Juli 2016, Dr. Artur Dirmeier (Archiv der Katharinenspitalstiftung)
Bettelorden und städtische Gesellschaft in Regensburg

13. Juli 2016, Klausur

 

 

 

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