Ringvorlesung "Wege zum Mittelalter. Historische Überlieferungen und moderne Deutungsangebote" (SoSe 2018, Mi, 14-16 Uhr, H 2)

Modernes Re-Enactment und living history, aber auch zahlreiche filmische Geschichtsdokumentationen führen die Teilnehmer oder Zuschauer meist auf sehr geradlinigen Wegen zu historischen Epochen. Die szenische Darstellung vermittelt den Eindruck, dem historischen Moment – etwa der Krönung Karls des Großen – unmittelbar beiwohnen zu können, über historische Gewänder und Kulissen scheint Wiedererlebbarkeit möglich. Im Gegensatz zu dieser Art des leichten Konsums von „Geschichte“ sind wissenschaftliche Deutungsangebote anspruchsvoller und komplexer. Sie muten dem Rezipienten zu, sich historischen Quellen über sprachliches, kontextuelles und methodisches Spezialwissen zu nähern. Bezogen auf das Mittelalter heißt das aber, dass die uneinholbare „Alterität“ dieser Epoche sichtbar wird. Diese Fremdheit ist „notwendiger Ausgangspunkt für Verstehen“ (B. Stollberg-Rilinger) und macht es reizvoll, sich mit vergangenen Überlieferungen und Kulturen im Rahmen des Nachdenkens über das Eigene auseinanderzusetzen.

Die Ringvorlesung des Regensburger Mittelalterzentrums „Forum Mittelalter“ möchte hermeneutische und methodische Zugänge zum Mittelalter anhand eines breiten interdisziplinären Spektrums von Quellen und Überlieferungen eröffnen. Unter dem Titel „Wege zum Mittelalter. Historische Überlieferungen und moderne Deutungsangebote“ stellen Referentinnen und Referenten aus neun mediävistischen Disziplinen (Allgemeine Geschichte, Kunst-, Musik-, Literatur-, Sprach- und Rechtsgeschichte, Liturgie- und Archivwissenschaften sowie Philosophie) zentrale Überlieferungen ihres Fachbereichs in den Mittelpunkt und erläutern deren Deutung(en) vor dem Horizont der gegenwärtigen Forschung. An schriftliche Quellen, wie Urkunden, Rechtstexte, philosophische Traktate, Heiligenviten und höfische Literatur soll dabei genauso herangeführt werden wie an mittelalterliche Bildkünste, Skulpturen und Architektur. Nicht zuletzt werden musikalische und liturgische Überlieferungen sowie historische Namen und Orte einer modernen Betrachtung und Analyse unterzogen.

Die Ringvorlesung ist curricularer Bestandteil des Masterstudiengangs „Kulturgeschichtliche Mittelalter-Studien“ (MAL-M 37.2) und kann in allen Studiengängen des Instituts für Geschichte angerechnet werden; die Anrechnung in anderen Studiengängen kann nach Absprache erfolgen.


18. April 2018           Prof. Dr. Jörg Oberste (Mittelalterliche Geschichte)

Fragmente einer fernen Zeit: Wie unser Bild vom Mittelalter entsteht

25. April 2018           Prof. Dr. Rolf Schönberger (Geschichte der Philosophie)

1000 Jahre verstehen. Wissensverlust und Forschungsleistungen, Infragestellungen und Denkanstöße

2. Mai 2018               Prof. Dr. David Hiley (Musikwissenschaft)

Mündliche und schriftliche Überlieferung in der Musik des Mittelalters und die alte Frage nach dem Werkkonzept

9. Mai 2018               Prof. Dr. Harald Buchinger (Liturgiewissenschaft)

Kodifikation zwischen Tradition und Innovation: Zu Selbstverständnis und Quellenwert                                         
mittelalterlicher liturgischer Bücher

16. Mai 2018             Prof. Dr. Hans-Jürgen Becker (Rechtsgeschichte)

Orte des Gerichts: Von der mittelalterlichen Dorflinde zum Justizpalast des 19. Jahrhunderts

30. Mai 2018             Prof. Dr. Albert Dietl (Kunstgeschichte)

Anonymität versus Individualität. Kunsthistorische Perspektivwechsel auf „Künstler im Mittelalter“
von Giorgio Vasari bis zur Gegenwart

6. Juni 2018               Prof. Dr. Wolfgang Schöller (Kunstgeschichte)

Mittelalterliche Architektur interpretieren

13. Juni 2018            Prof. Dr. Edith Feistner (Ältere deutsche Literatur)

Das "Wesentliche" (de Boor) mittelalterlicher Literatur? Höfische Romane und Heiligenlegenden
im Forschungsvergleich

20. Juni 2018            Prof. Dr. Albrecht Greule (Deutsche Sprachwissenschaft)

Ortsnamen als Geschichtsquellen

27. Juni 2018            Prof. Dr. Maria Selig (Romanische Sprachwissenschaft)

Unmittelbare Vergangenheit: Die Historische Sprachwissenschaft und das Mittelalter

4. Juli 2018                Dr. Artur Dirmeier (Archiv der Katharinenspitalstiftung)

Städtische Eliten im Mittelalter: (Schrift-)Quellen und Methoden zu ihrer Untersuchung

 

Klausur zur Ringvorlesung: Mittwoch, 11. Juli 2018, 14-16 Uhr, H 2

 

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