Ringvorlesung "Stadt und Religion(en) in der Vormoderne" (SoSe 2019, Mi, 14-16 Uhr, H 2)

In antiken, mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Städten lebten verschiedene Kultgemeinden und Religionsgruppen in engstem Kontakt zusammen. Dieses plurale Mit- und Nebeneinander der Religionen erforderte ständige Aushandlungsprozesse, die oft friedlich verliefen, bekanntermaßen aber auch zu Disputen, gewaltsamen Konflikten und Verfolgungen führten. Die Vertreibungen der Juden aus europäischen Städten im Laufe des Spätmittelalters sind ein besonders dunkles Kapitel dieser Konfliktgeschichte. In Regensburg, wo bis im Jahr 1519 eine traditionsreiche jüdische Gemeinde beheimatet war, jährt sich die Vertreibung der Juden und die Zerstörung der mittelalterlichen jüdischen Synagoge in diesem Jahr zum 500. Mal. Die Stadt Regensburg nimmt dieses Gedenken zum Anlass für ein umfangreiches Erinnern an jüdisches Leben in Regensburg im Rahmen ihres Jahresthemas 2019.

Das Mittelalterzentrum „Forum Mittelalter“ der Universität Regensburg schließt sich mit seiner Ringvorlesung „Stadt und Religion(en) in der Vormoderne“ an das städtische Veranstaltungsprogramm an. In der interdisziplinären Vortragsreihe sollen aber nicht nur der sich im Spätmittelalter gewaltsam entladende Antijudaismus und die Regensburger Ereignisse des Jahres 1519 im Mittelpunkt stehen; ebenso werden alltägliche Kommunikation und Interaktion zwischen den Religionsgruppen, finanzielle und wirtschaftliche Kontakte sowie religiöser und kultureller Austausch thematisiert. Die interdisziplinären Vorträge aus der Theologie, der Kunst- und Musikgeschichte, der Geschichte und den Philologien behandeln etwa die christliche Talmudrezeption, die Konstruktion einer jüdischen Martyrologie, das musikalische Schaffen jüdischer Komponisten oder den Lebensrhythmus in jüdischen Häusern. Indem die Vorträge zudem den Blick auf andere religiöse Gruppen in vormodernen Städten weiten und den Bogen von der Antike über das Mittelalter bis in die Zeit nach der Reformation spannen, soll das Zusammenleben der Religionen in europäischen Städten in seiner epochenübergreifenden Dynamik sichtbar werden.

Die Ringvorlesung wird in Kooperation mit Prof. Dr. Eva Haverkamp-Rott (Professur für Mittelalterliche Jüdische Geschichte und Kultur, LMU München) und der Stadt Regensburg veranstaltet. Sie ist curricularer Bestandteil des Masterstudiengangs „Kulturgeschichtliche Mittelalter-Studien“ (MAL-M 37.2) und kann in allen Studiengängen des Instituts für Geschichte angerechnet werden; die Anrechnung in Studiengängen anderer Institute erfolgt nach Absprache.

Programm:

24.04.2019: Prof. Dr. Eva Haverkamp-Rott (Mittelalterliche Jüdische Geschichte und Kultur, LMU München) „Kommunikation zwischen Juden und Christen im mittelalterlichen Regensburg”

08.05.2019: Prof. Dr. Klaus Unterburger (Mittlere und Neue Kirchengeschichte, Universität Regensburg) "Die Entdeckung des Talmuds durch die christliche Theologie im Hochmittelalter und deren Konsequenzen für die christliche Interpretation des Judentums”

15.05.2019: Prof. Dr. Angela Ganter (Alte Geschichte, Universität Regensburg) „Tympana tundent. Der Kult der Magna Mater in Rom zwischen Aneignung und Befremden”

22.05.2019: Prof. Dr. Harald Buchinger (Liturgiewissenschaft, Universität Regensburg) „Aneignung durch Enteignung? Der jüdische erste Teil der christlichen Bibel in Prozessionsgesängen des vormodernen Regensburg”

29.05.2019: Prof. Dr. Sabine Koller (Slavisch-jüdische Studien, Universität Regensburg) „Die Vertreibung der Juden im Jahre 1519 und Joseph Opatoshus Ein Tag in Regensburg

05.06.2019: Ahuva Liberles Noiman (Hebräische Universität Jerusalem / Ben Gurion Universität / LMU München) ”Mixing Business and Pleasure: Financial Ties between Jews, Christians and Converts in Late Medieval Regensburg”

[12.06.2019: Pfingstwoche, frei]

19.06.2019: Prof. Dr. Edith Feistner (Ältere deutsche Literaturwissenschaft, Universität Regensburg) „Stadtpolitik im Kirchenjahr: Verkehrsregeln für das christlich-jüdische und katholisch-protestantische Zusammenleben im vormodernen Regensburg”

26.06.2019: Prof. Dr. Katelijne Schiltz (Musikwissenschaft, Universität Regensburg) „Zwischen dem jüdischen Ghetto und dem Palazzo ducale von Mantua: der Komponist Salomone Rossi (16./17. Jahrhundert)”

03.07.2019: Prof. Dr. Albert Dietl (Kunstgeschichte, Universität Regensburg) „Die Handwerker-Bruderschaft der Regensburger Wollwirker und ihre visuelle Präsenz im spätmittelalterlichen Regensburg”

10.07.2019: Prof. Dr. Martin Löhnig (Rechtsgeschichte, Universität Regensburg) „Ehegerichtsbarkeit im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit”

17.07.2019: Prof. Dr. Elisheva Baumgarten (Hebräische Universität Jerusalem) ”Between Public and Private: Creating Jewish Space and Time in Medieval Germany”

24.07.2019: Dr. Peter Sh. Lehnardt (Ben-Gurion Universität, Beer Sheva) „Jüdische Märtyrer und der Heilige Emmeram von Regensburg”


Klausur zur Ringvorlesung: 29.07.2019 von 10.00 - 12.00 Uhr in H37 (Vorklinik)

 

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